Heimatforscher, Chronisten und Literaten haben Informationen hinterlassen.
Archäologen haben das ihrige dazu getan, und da liegen auch die
Geheimnisse...
Die Heidenschanze wurde in früher Bronzezeit besiedelt; Funde
wurden auf 1200-500 v. Chr. datiert. Eine Festungsanlage mit Wall
und Graben schützte die Siedlung mit recht hoch entwickeltem Handwerk
hoch über dem damals waldreichen und sumpfigen Tal der Weißeritz,
welches auch durch ein Felstor zum See angestaut gewesen sein
könnte. Eine gleichzeitige Besiedlung des heutigen alten Dorfkernes
kann beispielsweise aufgrund gefundener Gräberfelder vermutet
werden. Die Besiedlung der Heidenschanze muss etwa um 500 v. Chr.
ziemlich abrupt geendet haben. Nach meiner Vermutung hat ein Felsabbruch
eines großen südwestlichen Ausläufers die Kultstätte und die Quelle
mit in die Tiefe gerissen; für beide wurde bis heute kein Nachweis
gefunden. Die These, dass mit der Kultstätte auch alle Dorfbewohner
in die Tiefe gerissen wurden, die dort versammelt hatten, ist
nicht belegt.
Der heutige Dorfkern von Altcoschütz wurde erstmals 1279 urkundlich
erwähnt. Vorherige Besiedlung gab es wahrscheinlich ab 1000 v.
Chr.; in der Zeit der Völkerwanderung ließen sich Sorbenwenden,
Hermunduren, Slawische Stämme verschiedener Herkunft etc. hier
nieder.
Die weitere Entwicklung wurde durch Ackerbau Viehzucht, Steinbruch,
später Bergbau, Weinbau und Brauerei bestimmt.
Verheerende Dorfbrände wie 1760, 1783, 1816 und der wohl schlimmste
vom 29. April 1829 veränderten das Gesicht des Dorfes. Beim Wiederaufbau
wurde jeweils die Gelegenheit genutzt, durch Anbauten, Umbauten
und Umnutzungen den veränderten Bedürfnissen der Besitzer zu entsprechen.
Der Ulmenhof stellt den Kopfbau des historischen Dorfkerns Altcoschütz
dar. In der Eingangssituation (Dorfplatz) zur Sackgasse des erweiterten
Rundweilers bildet es mit seiner Traufseite zum Platz und zwei
Giebeln zur Straße den linken Torpfeiler des Dorfes.
Insofern kommt diesem Gehöft besondere Bedeutung zu, da es in
fast vollständig erhaltener Substanz und in für die Entstehungszeit
repräsentativer Erscheinung weithin sichtbar ist; allen zum Dorfplatz
führenden Straßen eröffnet sich der Blick auf dasEnsemble.
Der Hof zeigt sich durch die abgeknickte Flucht des Seitengebäudes
in sehr eigenwilliger Trapezform; die Öffnung zwischen beiden
Giebeln zur Straße ist die schmalste Seite. Die typische Gliederung
des Sächsischen Dreiseithofes ist deutlich ablesbar:
- Wohn-/Stallhaus (mit Pferdestall und Gesindekammern im hinteren
Teil),
- Auszüglerhaus (mit Remise, Durchfahrt und Rampe zum Dorfplatz,
Tenne im OG)
- Scheune (mit Schweinekoben, Trockentoilette, Remise und Tennenboden).
Die Gebäude des Ulmenhofes dokumentieren den Zustand von 1829/1830.
Die dabei verwendeten Grundmauern und Keller entstammen z. T.
dem 16. und 17. Jahrhundert. So ist anzunehmen, dass sowohl der
Ostteil der Scheune als auch das (südliche) Hinterhaus des Hauptgebäudes
erst nach dem letzten Dorfbrand errichtet wurden. Auch das Auszüglerhaus
stand ursprünglich in anderer Achse; der Keller darunter liegt
nicht in Parallele zum aufgehenden Mauerwerk.
Spätere Umbauten waren der Abriß des Satteldaches der Scheune
(um 1965), der unpassende Zwischenbau mit Treppe zwischen Scheune
und Hauptgebäude und der Dachausbau des Hauptgebäudes im hinteren
Teil, verbunden mit dem Aufbau einer Schleppgaupe.
Weiterhin prägend waren die fleißigen, jedoch von wenig Geld und
Sachkenntnis geprägten, oft nicht denkmalgerechten Instandsetzungsarbeiten
des letzten Privateigentümers, Willy Illgen, sowie die unterlassenen
Erhaltungs- und Sicherungsarbeiten in 10 Jahren Volkseigentum/WOBA-Eigentum,
die unsachgerechten Arbeiten der Mieter unter Anwendung bautechnisch-,
bauphysikalisch- und ökologisch-bedenklicher Materialien und Methoden.
Seit 1995 wieder in Privateigentum, werden die Gebäude nun schrittweise
rekonstruiert. Dabei wird historische Substanz wieder freigelegt,
restauriert und ergänzt, wird die Grundcharakteristik des Ensembles
gepflegt aber auch mit Einschränkungen - den heutigen Nutzungsbedürfnissen
angepasst.
Klares Bekenntnis zum Fachwerkhaus, liebevolle Restaurierung im
Detail und behutsame Weiterentwicklung mit Dokumenten des 21.
Jahrhunderts werden das Ensemble prägen.
Besonderes Augenmerk legen wir auf Ökologische Bauweisen und Materialien,
historische Techniken, Wiederverwendung historischer Bauteile
und Baustoffe. Der wichtigste Baustoff ist Lehm. In speziellen
Mischungen mit Sand, Stroh, Holzspänen und anderem wird er in
verschiedensten Techniken für Wände, Decken, Füllungen, Schüttungen,
Putze und mehr verwendet. Damit wird das konstruktive und bauphysikalische
System des Lehm-Fachwerks erhalten und weiterentwickelt.
Nachgewiesene Besitzer:
um 1628 Donath Palitzsch
um 1682 Christoph Bart
um 1794 Johann George Fentzsch
1829, 1860 Johann Gottlieb Damm
um 1903 Julius Franz
bis 1939 Clara Jda vhl. Quaas, geb.Franz.
bis 1963 Dipl.-Ing. Alfred Walter Quaas
ab 1963 Heizer Max Willy Illgen
ab 1984 Eigentum des Volkes
ab 1992 SÜDOST WOBA Dresden GmbH
ab 1996 Sven Ove Schindler, Architekt in Dresden
Literatur
P. Dittrich, Zwischen Hofmühle und Heidenschanze, Urban, Dresden
1941
Richard Naumann, Merk- und Denkwürdigkeiten von Coschütz, Eigenverlag,
Dresden 1911
Hermann Gretschel, Geschichte der Gemeinde Coschütz bei Dresden,
Pescke & Gretschel 1904
Baugeschichtsarbeiten an der TU Dresden: Schindler 1990, Kuhn
2000